Digital Humanities from Scratch

workshop / tutorial
Authorship
  1. 1. Torsten Roeder

    Leopoldina, Halle (Saale)

  2. 2. Fabian Cremer

    Max Weber Stiftung, Bonn

  3. 3. Swantje Dogunke

    HTWK Leipzig

  4. 4. Frederik Elwert

    Ruhr-Universität Bochum

  5. 5. Harald Lordick

    Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte Essen

  6. 6. Katrin Ott

    Universität Erfurt

  7. 7. Sibylle Söring

    Freie Universität Berlin

  8. 8. Thorsten Wübbena

    Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG)

Work text
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Thema
Thema des Workshops „Digital Humanities from Scratch“ sind Koordinationsaufgaben im Bereich von DH-Aktivitäten, die an wissenschaftlichen Institutionen aller Größenordnungen stetig intensiver und bedeutender zum Tragen kommen. Der Workshop bietet dafür ein offenes und moderiertes Forum, das mit Impulsbeiträgen und Diskussionsrunden von der DH-Community ausgefüllt wird.
Während einige Einrichtungen auf jahrzehntelange Erfahrungen zurückgreifen können, beginnen andere erst heute und nur langsam damit, die oft zahlreichen DH-Aktivitäten am eigenen Haus zu koordinieren. Solche praxisorientierten Organisations- und Koordinationsaufgaben sind aber nur selten Teil der wissenschaftlichen DH-Ausbildung (Cremer 2019) und reichen weit in angrenzende Gebiete – z.B. Informationstechnologie, Wissenschaftsmanagement, Forschungsdatenmanagement – hinein. Auch die Entwicklung und Umsetzung eines erfolgreichen DH-Gesamtkonzepts, das solide in institutionelle, lokale und regionale Kontexte eingebettet ist, stellt oft eine organisatorische und politische Herausforderung dar.
Angesichts der voranschreitenden Digitalisierung aller Wissenschaftszweige ist DH-Koordination als grundlegende Aufgabe aller Wissenschaftseinrichtungen anzusehen. Hinzu kommt die allgemeine Forderung nach Interdisziplinarität und Methodenvielfalt, die durch Vernetzung verschiedener Fachbereiche, in den Geisteswissenschaften aber speziell durch die Öffnung für digitale Arbeits-, Forschungs- und Publikationsverfahren erwidert werden kann. Allerdings kann die Vielfalt an den Möglichkeiten, die sich durch Digitalisierung und speziell im Feld der DH bieten, sowie die Komplexität der Anforderungen, die dies an den Wissenschaftsbetrieb stellt, für Forschende und Institutionen eine Überforderung bedeuten und Unsicherheit erzeugen. Ein zentrales Anliegen der DH-Koordination liegt deshalb darin, Prozesse des Umdenkens und Neugestaltens zu begleiten, (Denk-)Räume zu schaffen, zu öffnen und darin Handlungsoptionen zu vermitteln („Change Management“).
Versteht man die DH als Teil eines umfassenden Digitalisierungsprozesses, sind sie als Vielzahl von Schnittstellen zwischen Forschenden, Lehrenden, Studierenden, Bibliothek, IT, Administration, Leitung, Forschungsförderung etc. anzusehen. Diese Schnittstellen können, wenn nicht als (Kompetenz-)zentren, in Form von Arbeitsgruppen, Schulungen, Veranstaltungen etc. ausgestaltet werden, benötigen aber Organisation und Moderation. Dies bringt aktuell mehrere Problemstellungen mit sich. Zuvorderst konfligieren hier typische DH-Stellenprofile (mit vornehmlich informationstechnischen Qualifikationen) mit dem tatsächlichen Aufgabenfeld der DH-Koordination: Kommunikation, Vermittlung, Projektmanagement, Outreach, vielfach auch institutionelle Strategie (Wuttke 2019). Desweiteren sind DH-Koordinationsaufgaben an Universitäten oft fächer- oder fakultätsübergreifend angelegt, Forschungsverbünde schaffen Querschnittsstellen, und Akademien pflegen zum Teil eigene Referate; auch die Verortung der Stellen (Bibliothek, Administration, Forschungsabteilung) wird sehr unterschiedlich gehandhabt.
Ein Diskurs über die verschiedenen Profile, Konfigurationen und Aufgabenfelder der DH-Koordination sowie ein Austausch über konkrete Erfahrungen und Strategien kann nicht nur den Koordinator*innen helfen, sondern vor allem auch das Profil der DH an wissenschaftlichen Institutionen insgesamt schärfen, Herausforderungen benennen und Lösungsmodelle bündeln.

Bisherige Aktivitäten

Die Herausforderungen auf
institutioneller, organisatorischer, disziplinärer, personeller und
technischer Ebene wurden bereits in dem vielbeachteten Panel „Digital
Humanities from Scratch“ auf der DHd 2019 diskutiert (Roeder et
al. 2019a und 2019b). Ein deutlicher Bedarf an Austausch, Vernetzung
und Bündelung von Initiativen und Aktivitäten offenbarte sich sowohl
bei quereinsteigenden DH-Koordinator*innen als auch beim
wissenschaftlichen Nachwuchs aus DH-Studiengängen, der zukünftig mit
Aufgaben der DH-Koordination konfrontiert werden wird. Auch im
internationalen Kontext ist die Relevanz der Thematik erkannt
worden. So wurde 2017 die Digital Scholarship Working Group im Kontext
der Digital Library Federation gegründet (DLF 2019). Ebenso wurde das
Thema in den Workshops „Getting Things Done“ und „Libraries as
Research Partners in Digital Humanities“ auf der DH 2019 in Utrecht
behandelt (Keegan et al. 2019 sowie Wilms et al. 2019).

Ziele und Ergebnisverwertung
Der Workshop möchte insbesondere einen Beitrag dazu leisten, dem aktuellen Austauschbedarf eine offene Plattform zu bieten, DH-Koordination als Aufgabenfeld Feld in den DH zu thematisieren sowie das Netzwerk von DH-Koordinator*innen langfristig zu stärken und auszubauen. Die bisherigen, regen Diskussionen werden fortgesetzt, indem gezielt Kontroversen und Interessenschwerpunkte aufgegriffen werden. Sowohl gegenüber den jeweiligen Institutionen als auch im Kontext von Forschungsverbünden, fachspezifischen und übergeordneten Verbänden und Gremien kann dadurch den Aufgabenfeldern der DH-Koordination eine deutlich verbesserte Sichtbarkeit und Stimme verliehen werden, die bislang fehlt.
Der Workshop dient darüber hinaus zur Abstimmung zukünftiger Aktivitäten, beispielsweise:

Kartierung der DH-Koordinations-Stellen (Ausprägungen, Stellenprofile, Standorte)
Vergleich der Ausschreibungen mit tatsächlichen Tätigkeiten
Checkliste für DH-Koordinationsaufgaben (Handlungsempfehlungen, Erfahrungsaustausch)
Bildung einer DHd-Arbeitsgruppe „DH-Koordination“ zur Produktivierung des Netzwerks (Abstimmung lokaler Schwerpunkte, Ausarbeitung von Working Papers)

Um die Ergebnisse für die Community öffentlich sichtbar und verfügbar zu halten, werden diese anschließend (in einer noch zu bestimmenden Form) publiziert.

Organisation

Veranstaltungsformat

Der auf 3,5 Stunden angesetzte Workshop ist in zwei Hauptteile gegliedert, um zweierlei Bedürfnisse abzudecken: Erstens Themenkomplexe zu definieren und Fragestellungen aufzuwerfen, und zweitens den Raum für Diskussionen sowohl in kleinen Kreisen als auch in großer Runde zu öffnen. Zu dem Workshop werden maximal 40 Personen zugelassen. Aktive Teilnahme ist ausdrücklich erwünscht.

Der erste Hauptteil wird durch freie Beiträge bestritten, die über einen Call eingeworben werden (s.u.). Das gewünschte Vortragsformat ist Pecha Kucha (sprich: pe'tscha-k-tscha). Dabei handelt es sich um ein alternatives Präsentationsformat, das den Vortrag durch ausgewählte Bilder anstelle von textlastigen
Folien begleitet (PechaKucha 2019). Das Format sieht vor, dass während des Vortrags 20 Bilder für jeweils 20 Sekunden eingeblendet werden. Die Gesamtdauer ist dadurch auf 6:40 min definiert. Die Verbindung von Vortrag und Bildern kann frei gestaltet werden.

Der zweite Hauptteil wird als World Café mit parallelen Thementischen gestaltet (The World Cafe 2019). In moderierten Gruppen wird über vorher umrissene Themengebiete (s.u.) diskutiert und gearbeitet. Zur Unterstützung und Dokumentation der Diskussion werden Pinnwände und Schreibmaterial (z.B. für „graphic recording“) zur Verfügung gestellt.

Im abschließenden Wrap-Up werden mögliche weiterführende Aktionen eruiert und die Ergebnisverwertung beschlossen.
Der Workshop versteht sich als offene und inklusive Initiative, die dediziert „Collegiality and Connectedness“ in den DH (Spiro 2012: 26–28) befördern und mit kreativen Formaten das Konferenzmotto „Spielräume“ adressieren möchte.

Zeitplan
Nach Begrüßung und organisatorischen Hinweisen (15 Minuten) werden im ersten Hauptteil acht Pecha Kuchas präsentiert. Einschließlich der Zeit für Kurzvorstellung und Übergang (2–3 Minuten) sind dafür 75 Minuten zu veranschlagen. Nach einer 20-minütigen Pause werden im zweiten Hauptteil drei World Cafés mit jeweils fünf parallelen Thementischen angesetzt. Nach jeweils 20 Minuten können die Teilnehmer*innen an andere Thementische wechseln. Einschließlich des Wechsels (3–4 Minuten) sind dafür 70 Minuten zu veranschlagen. Das Workshop-Team übernimmt die Moderation sowie das Wrap-Up (30 Minuten).

Begrüßung und Organisatorisches
15 Minuten

Hauptteil 1
Pecha Kucha (8x 6:40 Minuten)

75 Minuten

Pause
20 Minuten

Hauptteil 2
World Café (3x 20:00 Minuten)

70 Minuten

Wrap-Up
30 Minuten

Gesamtdauer
210 Minuten

Call for Pecha Kuchas
Digital Humanities from Scratch: Wie geht man Koordinationsaufgaben im Bereich der DH an, wenn sich diese in einem frühen Entwicklungsstadium befinden? Die Anforderungen sind vielfältig und gehen oft über reines Expert*innenwissen (sei es im Programmierbereich oder in einem geisteswissenschaftlichen Fach) hinaus, denn DH ist nicht nur interdisziplinär, sondern erstreckt sich auch auf organisatorische, institutionelle und soziale Handlungsfelder. Der Workshop „Digital Humanities from Scratch“ auf der DHd 2020 „Spielräume“ (2. bis 6. März 2020) vertieft diese Thematik in kreativen Vortrags- und Diskussionsformaten.
Wir laden hiermit dazu ein, Kurzvorträge einzureichen, die
Erfahrungen typischer Herausforderungen oder Lösungsansätze im Bereich
der DH-Koordination vorstellen. Die Vorträge sollen dem Format „Pecha
Kucha“ folgen: Die Dauer des mündlichen Vortrags beträgt exakt 6:40
Minuten. Für die Präsentation sind 20 Bilder auszuwählen (möglichst
ohne Text), die während des Vortrags für jeweils 20 Sekunden
eingespielt werden. Die Pecha Kuchas geben Impulse für ein
anschließendes World Café, wo in kleinen Gruppen intensiv diskutiert
werden kann.

World Café Thementische

DH und GLAM (Galleries, Libraries, Archives, Museums). DH-Koordination wird häufig in oder nahe an Bibliotheken angelegt. Wie verhalten sich die Aufgabengebiete der DH-Koordination zu bibliothekarischen Anforderungen? Wo kann dies helfen? Und wie ließe sich das Verhältnis zu anderen Kultur- und Gedächtnisorganisationen gestalten? Hier spielen Vermittlungsaufgaben auf der einen Seite und konservatorische Aspekte auf der anderen Seite hinein.

DH und IT. Die Informationstechnologie ist als Rückgrat der DH nicht wegzudenken. Dennoch treten immer wieder Abgrenzungstendenzen auf. In der Tat will die fließende Grenze zwischen „harter IT“ und „softer IT“ praktikabel organisiert werden. Wie kommt man an Hosting und Webdesign? Wie lässt sich die Entwicklung von Forschungssoftware organisieren? Welche Risiken sind mit der Beauftragung externer Dienstleister verbunden? Und müssen DH-Koordinator*innen selbst mit anpacken?

DH und Wissenschaftsmanagement. Bei der Drittmitteleinwerbung stehen DH-Koordinator*innen oft vor der Aufgabe, digitale Methoden und Arbeitsabläufe in Stellen-, Kosten- und Arbeitsplänen einzuflechten. Auch während der Durchführungsphase suchen Projekte immer wieder Beratung und Unterstützung in DH-Fragen. Aber nicht immer: Wie ist mit Projekten umzugehen, die den DH ablehnend gegenüber stehen oder schlicht noch keine Kompetenz aufgebaut haben?

DH als Vermittlung. Den digitalen Wandel in der Wissenschaft voranzutreiben ist nicht zuletzt eine psychologische Aufgabe. Wie lassen sich Räume schaffen und Brücken bauen für grundlegende strukturelle Veränderungen? Erfolg versprechen hier informelle Formate, beispielsweise Stammtische, Coffee Lectures, Barcamps. Wie aber lässt sich nachhaltig Kompetenz aufbauen sowie geeignetes Personal akquirieren und entwickeln, so dass DH zu einer Gemeinschaftsaufgabe wird?

DH-Institutionalisierung. Jede Institution definiert selbst, ob und wie sie DH in ihre Organisationsstruktur integriert. Wird dies mit Koordinationsstellen oder mit wissenschaftlichen IT-Stellen ausgefüllt? Liegen die Aufgaben schwerpunktmäßig im Schulungs- und Vermittlungsbereich, im Projektmanagement oder im technischen Feld? Ist DH einer bestehenden Abteilung zugeordnet, als eigene Abteilung organisiert oder wird es als Querschnittsaufgabe implementiert? Welche Möglichkeiten gibt es, bestehende Strukturen weiterzuentwickeln?

Bibliographie

Cremer, Fabian (2019): „Gottes Werk und Teufels Beitrag: Ein Essay zu Digital Humanities und Projektmanagement“ (Blogpost). Website:
DHd-Blog, 19. März 2019.
https://dhd-blog.org/?p=11283
(archiviert am 13.09.2019).

DLF (2019): „Digital Scholarship Working Group“. Website:
Digital Library Federation Wiki, 10. Januar
2019.

(archiviert am 25.09.2019).

Keegan, Tom / Gehlsen Morlan, Leah / Leonard, Peter / DeRose, Catherine (2019):
„Getting Things Done: Administrative Tips, Tricks, Helps, And Hindrances In Digital Scholarship“ (Workshop).
Digital Humanities Conference, Utrecht. URL:
https://dev.clariah.nl/files/dh2019/boa/1107.html
(archiviert am 13.09.2019).

PechaKucha (2019) ohne Autor: „Frequently Asked Questions“. Website:
PechaKucha. 20 Images x 20 Seconds, ohne Datum. URL:
https://www.pechakucha.com/faq
(archiviert am 24.09.2019).

Roeder, Torsten / Söring, Sibylle / Dogunke, Swantje
/ Elwert, Frederik / Wübbena, Thorsten / Lordick, Harald / Cremer,
Fabian / Klammt, Anne (2019a): „Digital Humanities ‚from Scratch‘. Herausforderungen der DH-Koordination zwischen Querschnittsaufgaben und ‚one-(wo)man-show‘“ (Panel). In:
DHd 2019, Digital Humanities: multimedial & multimodal. Konferenzabstracts, S. 68–72, DOI:
10.5281/zenodo.2596094
(21.03.2019), als Auszug:
10.5281/zenodo.3244179
(12.06.2019).

Roeder, Torsten / Söring, Sibylle / Dogunke, Swantje
/ Elwert, Frederik / Wübbena, Thorsten / Lordick, Harald / Cremer,
Fabian / Klammt, Anne (2019b): „Digital Humanities ‚from Scratch‘. Ein Panel-Bericht zur DHd 2019“ (Blogpost). Website:
DHd-Blog, 3. Juli 2019. URL: https://dhd-blog.org/?p=11804
(archiviert am 13.09.2019).

Spiro, Lisa (2012): „‚This Is Why We Fight‘: Defining the Values of the Digital Humanities“. In: Matthew K. Gold (ed.),
Debates in the Digital Humanities. Minneapolis/London: University of Minnesota Press. S. 16–35.

The World Cafe (2019) ohne Autor: „World Cafe Method“. Website:
The World Cafe, 2019. URL:
http://www.theworldcafe.com/key-concepts-resources/world-cafe-method/
(archiviert am 24.09.2019).

Wilms, Lotte / Klaassen, Martine / Claeyssens,
Steven / Lefferts, Marian (2019): „Libraries as Research
Partners in Digital Humanities“ (Preconference Workshop).
Digital Humanities Conference, The Hague: National Library of the Netherlands, 8. Juli 2019. URL:

Wuttke, Ulrike (2019): „Infrastrukturelle Erfolgsfaktoren für einen Digital Humanities-Schwerpunkt an deutschen Universitäten“ (Masterarbeit TH Köln, 28.06.2019). URL:

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Conference Info

Incomplete

DHd - 2020
"Digital Humanities zwischen Modellierung und Interpretation"

Hosted at Universität Paderborn

Paderborn, Germany

March 2, 2020 - March 6, 2020

130 works by 319 authors indexed

Conference website: https://zenodo.org/record/3666690

Contributors: Patrick Helling, Harald Lordick, R. Borges, & Scott Weingart.

Series: DHd (7)

Organizers: DHd