Routinen, Ressourcen und Tools der digitalen Texterforschung. Ein einfacher Einstieg

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Authorship
  1. 1. Jan Horstmann

    Geisteswissenschaftliche Infrastruktur für Nachhaltigkeit (gwin), Universität Hamburg

  2. 2. Marie Flüh

    Geisteswissenschaftliche Infrastruktur für Nachhaltigkeit (gwin), Universität Hamburg

  3. 3. Marco Petris

    Geisteswissenschaftliche Infrastruktur für Nachhaltigkeit (gwin), Universität Hamburg

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Traditionelle und digitale Arbeitsweisen
Die Anwendung computergestützter Verfahren in den Geistes- und Kulturwissenschaften prägt seit geraumer Zeit die Entwicklung unterschiedlicher Fachdisziplinen (vgl. Thaller 2012). Neue Methoden bahnen sich ihren Weg in den Methodenkanon ganz unterschiedlicher Domänen (vgl. Sahle 2015). Wie aber kann man Lehrenden – mit den unterschiedlichen Ansprüchen universitär Dozierender oder Lehrender an Schulen – einen möglichst niedrigschwelligen, aber dennoch wissenschaftlich seriösen Zugang zu dem Repertoire digitaler Methoden der Texterforschung eröffnen, das zum Spektrum der Digital Humanities zählt? Wie kann man sowohl Begeisterung wie kritische Kompetenz im konkreten Umgang mit Verfahren der digitalen Textanalyse so vermitteln, dass die Alltagspraxis des Lehrens und Forschens davon profitiert? Man muss nicht immer gleich einen theoretischen „Paradigmenwechsel" ausrufen, sondern kann das „neue” Feld besser zunächst im „hands-on"-Modus erschließbar machen. Durch einen niedrigschwelligen Disseminationsansatz entsteht die Möglichkeit, dass alte Fragen und neue Methoden sinnvoll aufeinander bezogen werden können (vgl. etwa Horstmann / Kleymann 2019).
Das im November 2017 an der Universität Hamburg gestartete DFG-Projekt forTEXT (https://fortext.net) entwickelt vor diesem Hintergrund Strategien zur Dissemination digitaler Verfahren für die Arbeit mit Texten (vgl. Horstmann / Jacke / Meister 2018). In den auf der projekteigenen Webseite als Open-Access-Publikationen bereitgestellten zitierfähigen Besprechungen von Routinen, Ressourcen und Tools werden sämtliche Phasen eines literaturwissenschaftlichen Forschungsprojekts abgedeckt. Das Projekt leistet damit die Übersetzungsarbeit zwischen literaturwissenschaftlichen Fragestellungen und technischem Know-how, die für die Vermittlung digital gestützten Arbeitens an traditionellere Geisteswissenschaftlerïnnen notwendig ist.

Routinen
In der Rubrik Routinen stellen wir einführende Einträge zu digitalen
Methoden der Textdigitalisierung, -annotation, -analyse, -visualisierung, -präsentation etc. zur Verfügung, in denen neben Definition, Diskussion und technischen Hintergründen stets auch die literaturwissenschaftliche Tradition der jeweiligen Methode betont wird. In
Lerneinheiten zum Selberlernen werden Nutzerïnnen schrittweise an die Umsetzung der vorgestellten Methode in Kombination mit der Anwendung eines konkreten Tools (vgl. Abschnitt 4) und ausgewählter Ressourcen (vgl. Abschnitt 3) herangeführt. Die
Lehrmodule bieten ebenfalls in Verbindung mit konkreten Ressourcen und Tools die Möglichkeit, das bereitgestellte Material in die eigene universitäre Lehrveranstaltung zu integrieren. Es werden zudem Unterrichtsmaterialien für den schulischen Unterricht erarbeitet, die durch eine noch erhöhte Komplexitätsreduktion Routinen der digitalen Literaturerforschung zugänglich machen und dezidiert an fachliche und KMK-Lernziele anknüpfen.

Ressourcen
Ausgewählte und etablierte deutschsprachige
Textsammlungen, die sinnvoll mit den besprochenen Routinen der digitalen Literaturwissenschaft kombiniert werden können, stellen wir nicht nur vor, sondern ordnen und bewerten diese entsprechend ihrer thematischen Schwerpunkte. Die einzelnen Einträge folgen dabei einem wiedererkennbaren Schema, sodass insgesamt eine schnelle und bedarfsgerechte Orientierung ermöglicht wird. In der Kategorie Ressourcen bieten wir außerdem Tutorial-
Videos, die digitale Methoden anhand ausgewählter Tools Schritt für Schritt als Screencasts erklären und Video-Fallstudien, die literaturwissenschaftliche Fragestellungen beispielhaft mithilfe digitaler Tools bearbeiten und vorstellen. Außerdem enthält die Ressourcen-Kategorie auf literaturwissenschaftlichen Theorien basierende
Tagsets und ein umfangreiches
Glossar mit Erläuterungen zu Standardbegriffen der DH.

Tools
Für jede vorgestellte Methode stellen wir mindestens ein Tool vor, das für die praktische Umsetzung dieser Methode eingesetzt werden kann. Die Tools werden bedarfsgerecht hinsichtlich ihrer Funktionalität, Anwendungsfreundlichkeit, Nutzerbetreuung, Datensicherheit, Nutzungsbedingungen und des Grads ihrer Etablierung im wissenschaftlichen Diskurs befragt. Die Tooleinträge folgen – wie auch die einzelnen Beitragsformate in den Kategorien Routinen und Ressourcen – einem wiedererkennbaren Schema, in dem konkrete Fragen aus Nutzerïnnenperspektive gestellt und beantwortet werden.

CATMA 6
Mit der Entwicklung der sechsten Version von CATMA (https://catma.de) hat forTEXT im Oktober 2019 neue Funktionen, eine projektzentrierte Arbeitsstruktur und ein vollständig überarbeitetes, intuitiver nutzbares Interface des webbasierten, kollaborativ nutzbaren Annotations- und Analysetools (derzeit weltweit gut 13.000 Accounts) zur Verfügung gestellt. Das Tool integriert sich durch seine nutzerïnnenfreundliche Zugänglichkeit und die Konzentration auf die Methode der manuellen Annotation sowie der Analyse und Visualisierung von Text- wie Annotationsdaten in das forTEXT-Disseminationmodell und orientiert sich an den Bedarfen textwissenschaftlicher Fachwissenschaften.

Nicht-digitale und digitale Dissemination
Das Projekt wird durch umfangreiche Maßnahmen der nicht-digitalen Dissemination seiner Inhalte begleitet. Einerseits bieten die Projektmitarbeiterïnnen bedarfsgerechte Workshops und Vorträge für Forschungsgruppen oder Veranstaltungsreihen an Universitäten und auf Konferenzen an. Darüber hinaus werden schulinterne Workshops durchgeführt, die auf die z. T. sehr unterschiedliche technische Infrastruktur vor Ort eingehen und sich in der inhaltlichen Ausrichtung ebenfalls eng an der spezifischen Bedarfslage der Teilnehmerïnnen orientieren.
Die umfangreiche Social-Media-Strategie von forTEXT (vgl. Horstmann / Schumacher 2019) ist ein essentieller Teil des gesamten Dissiminationsprogramms: Auf Twitter, Youtube, Facebook und Pinterest treten wir in unterschiedlichen Modi mit diverse Zielgruppen in Kontakt und führen diese in die digitale Arbeit mit Texten ein. So tritt forTEXT nicht nur an neue Nutzerïnnengruppen heran, sondern integriert sich auch selbst im fachwissenschaftlichen/DH-Diskurs.

Individualisiertes Empfehlungssystem
Im Januar 2020 wird ein digitales Empfehlungssystem implementiert, das im Frage-Antwort-Schema die Projekte der Nutzerïnnen so klassifiziert, dass die automatische Generierung individualisierter Empfehlungen von Routinen, Ressourcen und Tools zur Bearbeitung der jeweiligen Fragestellung möglich sein wird. Das Empfehlungssystem wird somit dafür sorgen, dass die einzelnen Bereiche von forTEXT einerseits zusammengefasst, andererseits aber auch bedarfsorientiert und effektiv durch sie navigiert werden kann. Das System macht damit insbesondere Nutzerïnnen ohne vorherige DH-Erfahrung den Einstieg in digitale Methoden zur Unterstützung ihrer Projekte individuell möglich.

Von den derzeit 13.033 Accounts wurden 3030 nur einmalig benutzt und 1876 waren Guest-Accounts, sodass man von 8127 Nutzerïnnen ausgehen kann (Stand: Dez. 2019).

Bibliographie

Horstmann, Jan / Jacke Janina / Meister, Jan Christoph (2018): „Digital vs. Humanities. Didaktische Aufbereitung digitaler Methoden für die klassischen Geisteswissenschaften im Projekt forTEXT“, in:
Kritik der digitalen Vernunft. DHd 2018 Köln. Konferenzabstracts, 386–391.
http://dhd2018.uni-koeln.de/wp-content/uploads/boa-DHd2018-web-ISBN.pdf [Zugriff: 26. August 2019].

Horstmann, Jan / Schumacher, Mareike (2019): „Social Media, YouTube und Co: Multimediale, multimodale und multicodierte Dissemination von Forschungsmethoden in forTEXT“, in: Sahle, Patrick (ed.):
DHd 2019. Digital Humanities: multimedial & multimodal. Konferenzabstracts, 207–211. DOI:

10.5281/zenodo.2596095
.

Horstmann, Jan / Kleymann, Rabea (2019): „Alte Fragen, neue Methoden – Philologische und digitale Verfahren im Dialog. Ein Beitrag zum Forschungsdiskurs um Entsagung und Ironie bei Goethe“, in:
Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften DOI:

10.17175/2019_007
.

Sahle, Patrick (2015): „Digital Humanities? Gibt’s doch gar nicht!”, in: Baum, Constanze / Stäcker, Thomas (eds.):
Grenzen und Möglichkeiten der Digital Humanities. Sonderband der Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften, 1. DOI:

10.17175/sb001_004
.

Thaller, Manfred (2012): „Controversies around the digital humanities: an agenda”, in:
Historical Social Research,
37(3): 7–23.

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Conference Info

Incomplete

DHd - 2020
"Digital Humanities zwischen Modellierung und Interpretation"

Hosted at Universität Paderborn

Paderborn, Germany

March 2, 2020 - March 6, 2020

130 works by 320 authors indexed

Conference website: https://zenodo.org/record/3666690

Contributors: Patrick Helling, Harald Lordick, R. Borges, & Scott Weingart.

Series: DHd (7)

Organizers: DHd