Forschung öffnen: Möglichkeiten, Potentiale und Grenzen von Open Science am Beispiel der offenen Datenbank “Handke: in Zungen”

poster / demo / art installation
Authorship
  1. 1. Vanessa Hannesschlaeger

    OEAW Österreichische Akademie der Wissenschaften / Austrian Academy of Sciences

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In diesem Poster werden die Möglichkeiten und Grenzen der Öffnung eines Forschungsprojekts für andere Forschende, aber auch für die interessierte Öffentlichkeit dargestellt. Das Open Science-Projekt
Handke: in Zungen dient dabei als Beispiel, anhand dessen verschiedene Aspekte der “Öffnung” von digitaler Geisteswissenschaft diskutiert werden. Nach einer kurzen Vorstellung des Projekts widmet sich der Beitrag den darin angewandten Methoden der Offenen Wissenschaft, aber auch den Anforderungen, die diese mit sich bringen sowie der Frage danach, wie und wozu Offene Wissenschaft konsequent umgesetzt werden kann.

Seit den beginnenden 1980er Jahren haben Fremdsprachen in den Bühnentexten des österreichischen Schriftstellers Peter Handke (*1942) zunehmend an Bedeutung gewonnen. In den frühen, sprachkritischen Stücken der 1960er und 70er Jahre spielen die Sprache, ihre Gemachtheit und die Reflexion darüber die zentrale Rolle – mit einem Umschwung, der sich am “dramatischen Gedicht” Über die Dörfer (1981) festmachen lässt, werden die Bühnenarbeiten Handkes zunehmend “erzählend” (Kastberger/Pektor 2012: 5), gewinnen zunehmend an “Handlung”. Mit dieser “Wende” (Höller 2013), mit der auch der Beginn von Handkes Tätigkeit als Übersetzer einhergeht, halten auch die fremden Sprachen Einzug in die Stücke des Autors.
Im vorgestellten Projekt werden sämtliche fremdsprachigen Wörter und Textteile in den beinah 30 Bühnentexten Handkes erhoben und untersucht. Die Leitfragen dabei sind, ob und in welcher Weise bestimmte Sprachen für bestimmte semantische Felder und Themenbereiche eingesetzt werden, welche Sprachen vorherrschen, ob und wie sich die Wichtigkeit einzelner Sprachen im Lauf der Zeit verändert und wie die verschiedenen einfließenden Fremdsprachen miteinander in Beziehung stehen. Für die Analyse dieser Fragen werden die relevanten Textstellen in der relationalen Datenbank
Handke: in Zungen gesammelt, wo sie sortier-, durchsuch- und auswertbar gemacht werden. Die Datenbank und das Projekt, in dessen Rahmen sie entsteht, sind der Offenen Wissenschaft verpflichtet und dienen daher als Ausgangspunkt für den geplanten Beitrag.

Die Umsetzung eines Offenen Ansatzes in Forschungsprojekten bringt eine Reihe an Themen mit sich, mit denen sich Forschende der traditionellen Geisteswissenschaften nicht vorrangig beschäftigen müssen, die aber in den Digital Humanities von zentraler Bedeutung sind. Zu diesen gehören etwa die Frage nach offener Lizenzierung von Daten, Code und Forschungsergebnissen wie Aufsätzen und Präsentationen, aber auch jene nach deren (langfristiger) Aufbewahrung und Verfügbarmachung, nach adäquater Dokumentation und nach Kommunikation und Vermittlungsarbeit. Das
Handke: in Zungen-Projekt eignet sich für eine Diskussion dieser verschiedenen Aspekte von Open Science deshalb in besonderer Weise, weil es unter anderem dank Unterstützung durch Wikimedia Deutschland im Rahmen des Wikimedia-Fellowship-Programms zu Freiem Wissen und Offener Wissenschaft umgesetzt wurde. Aus diesem Grund hat das Projekt neben der eigentlichen Datenbank-Web-App mehrere online-Präsenzen, die zur Öffnung des Projekts und des darin gesammelten Wissens beitragen: Zwei GitHub-Repositories machen Projekt-Informationen und -Logbuch sowie den Code der Web-App verfügbar, eine Wikiversity-Seite versammelt den Datenmanagementplan sowie alle weiteren relevanten Informationen und Berichte zum Projekt, in einer offenen Zotero-Gruppe sind die Quellenangaben der bearbeiteten Primärtexte verfügbar und auf einem Twitter-Account werden alle Interessierten über Neuigkeiten aus dem Projekt auf dem Laufenden gehalten.

Die zahlreichen Kommunikations- und Distributionskanäle, die von diesem Projekt bespielt werden, werden in diesem Beitrag vorgestellt und ihre jeweils spezifischen Vor- und Nachteile diskutiert. Ebenso werden die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen des Projekts (rechtliche Voraussetzungen, Personal- und Zeitressourcen), die seinen Grad an Öffnung beeinflusst haben, zum Thema gemacht. Ebenfalls thematisiert werden die Notwendigkeit und Rolle von Publikumsveranstaltungen in Offenen Forschungsprojekten. Diese Bereiche werden dabei den Aktionsfeldern von Open Science zugeordnet, wie sie das Open Science Network Austria OANA definiert (Open Access, Open Research Data, Open Evaluation, Citizen Science, Open Methodology).
Es soll dabei vorgeschlagen werden, “Open Science” nicht als eine strikt definierte Methode mit einem fixen Satz an verpflichtenden Elementen der Öffnung zu verstehen. Vielmehr sollte “Open” als eine Skala gesehen werden, auf der Projekte, die offene Methoden anwenden wollen, den für sie jeweils angemessenen Platz finden müssen, der von den oben erwähnten Rahmenbedingungen mitbestimmt wird. Grundsätzlich jedoch, so das abschließende Argument dieses Beitrags, sollte sich die geisteswissenschaftliche Forschung - insbesondere die digitale - konsequent auf ihre eigene Öffnung hin orientieren. Dafür sprechen neben praktischen auch ideologische Argumente. So formulieren es auch Pomerantz und Peek in ihrem Aufsatz
Fifty shades of open, in dem die gesellschaftliche Bedeutung von Offener Wissenschaft thematisiert wird: “As the number of open resources of all types increases, the more open resources will be created using them and derived from them, and the more open resources there will be. This snowballing growth of openness is socially beneficial, and, we believe, will make the world a better place.” (Pomerantz/Peek 2016)

Bibliographie
Höller, Hans: Eine ungewöhnliche Klassik nach 1945. Das Werk Peter Handkes. Berlin: Suhrkamp 2013.
Kastberger, Klaus / Pektor, Katharina: Vorwort, in: Dies. (Hg.): Die Arbeit des Zuschauers. Peter Handke und das Theater. Salzburg/Wien: Jung und Jung 2012.
Open Science Network Austria (OANA): Über Open Science.
https://www.oana.at/ueber-open-science/

Pomerantz, Jeffrey / Peek, Robin:
Fifty shades of open,
in:
First Monday 4/2016.
http://firstmonday.org/ojs/index.php/fm/article/view/6360/5460

Ressourcen zum Projekt:
Web-App:
https://handkeinzungen.acdh.oeaw.ac.at/

Projekt-Logbuch:
https://github.com/vanyh/handkeinzungen

Github-Repository:
https://github.com/vanyh/handkeinzungen-app

Wikiversity-Seite:
https://de.wikiversity.org/wiki/Wikiversity:Fellow-Programm_Freies_Wissen/Einreichungen/Dramatische_Sprachen:_Fremdsprachen_in_den_B%C3%BChnentexten_von_Peter_Handke

Zotero-Gruppe:
https://www.zotero.org/groups/1840645/peter_handke_stage_texts

Twitter-Account:
https://twitter.com/HandkeinZungen

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DHd - 2019
"multimedial & multimodal"

Hosted at Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Johannes Gutenberg University of Mainz), Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main (Goethe University of Frankfurt)

Frankfurt & Mainz, Germany

March 25, 2019 - March 29, 2019

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Conference website: https://dhd2019.org/

Contributors: Patrick Helling, Harald Lordick, R. Borges, & Scott Weingart.

Series: DHd (6)

Organizers: DHd