Daten sammeln, modellieren und durchsuchen mit DARIAH-DE

workshop / tutorial
Authorship
  1. 1. Tobias Gradl

    Universität Bamberg

  2. 2. Anna Aschauer

    Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG)

  3. 3. Swantje Dogunke

    Klassik Stiftung Weimar

  4. 4. Lisa Klaffki

    Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel

  5. 5. Stefan Schmunk

    Niersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen

  6. 6. Timo Steyer

    Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel

Work text
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Überblick
Die sammlungsübergreifende Recherche und Nachnutzung geisteswissenschaftlicher Forschungsdaten stehen im Blickpunkt aktueller Forschung in den Digital Humanities. Obwohl das Interesse an einer Zusammenführung digitaler Forschungsdaten bereits kurz nach der Einführung erster digitaler Bibliotheken um die Jahrtausendwende entstand, bleibt die Integration von Forschungsdaten über Sammlungsgrenzen hinweg ein aktuelles Forschungsthema. Bei einer forschungsorientierten Betrachtung von Sammlungen digitaler Daten (also z. B. digitale Texte, Digitalisate, Normdaten, Metadaten) stellt sich die Frage nach den Anforderungen und Erfolgskriterien einer übergreifenden Föderation, Verarbeitung und Visualisierung von Forschungsdaten.
Entgegen der in der Praxis üblichen Orientierung an institutionellen Anforderungen stellen die in DARIAH-DE entwickelten Konzepte und Dienste zur Verzeichnung, Korrelation und Zusammenführung von Forschungsdaten die Bedürfnisse von WissenschaftlerInnen im Kontext ihrer Forschungsfragen in den Mittelpunkt. Dies äußert sich beispielsweise darin, dass DARIAH-DE keine strukturellen Bedingungen an Forschungsdaten stellt. Stattdessen können Daten so publiziert, modelliert und integriert werden, dass eine möglichst gute Passung an den jeweiligen geisteswissenschaftlichen Kontext erreicht wird.
Dieser Workshop wird zunächst in Form kurzer Referate Hintergrundwissen zu den Konzepten und Diensten der DARIAH-DE Föderationsarchitektur
1 vermitteln. Wichtige Bereiche sind dabei nicht nur die Handhabung der Daten selbst sowie Fragen der Lizensierung von Forschungsdaten, sondern auch die Nachnutzbarkeit einmal erhobener oder gesammelter Daten für weitere Forschungsfragen oder zur Nutzung durch andere WissenschaftlerInnen. Ein wesentlicher Anteil des Workshops wird dann insbesondere in der Hands-On-Anwendung der Komponenten durch die TeilnehmerInnen selbst bestehen.

Thematische Schwerpunkte
Die wesentlichen Themenschwerpunkte des Workshops können wie folgt zusammengefasst werden:

Hintergründe und Best Practices zur
Lizensierung und
Nachnutzbarkeit von Forschungsdaten

Beschreibung und nachhaltige
Referenzierbarkeit von Sammlungen in der DARIAH-DE Collection Registry

Modellierung von Daten in der DARIAH-DE Schema Registry zur Beschreibung des Erstellungskontexts von Daten sowie deren Transformation in einen forschungsorientierten Verwendungskontext

Anhand der generischen Suche von DARIAH-DE werden die Auswirkungen der Benutzerinteraktion im Rahmen des Workshops sofort erkennbar, d. h. referenzierte Daten werden anhand der entwickelten Datenmodelle verarbeitet und können gemeinsam durchsucht und analysiert werden.
Der gesamte Workshop wird thematisch begleitet von der konkreten, historischen Anforderung (vgl. Szöllösi-Janze, Panter & Paulmann 2015), biographische Daten und Texte aus verschiedenen Datenquellen zu verarbeiten. Die schließlich integrierten biographische Profile (vgl. Gradl & Henrich 2016b) können zur Unterstützung konkreter historischer Forschung herangezogen werden. Das Beispiel ist so gewählt, dass den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine konzeptuelle Übertragung auf ihre eigenen Daten und Forschungsfragen erleichtert wird.

Zielpublikum
Der Workshop richtet sich gleichermaßen an:

geisteswissenschaftliche WissenschaftlerInnen in den unterschiedlichsten Phasen des akademischen Werdegangs
VertreterInnen von Institutionen, die Datensammlungen im Rahmen von DARIAH-DE auffindbar und zugreifbar machen möchten,
sowie auch VertreterInnen der Informatik, die ein Interesse an der Implementierung von DARIAH-DE Komponenten bzw. den Datenaustausch auf Basis maschinell zugreifbarer Schnittstellen haben.

Wer bereits über digitale Daten verfügt, ist herzlich eingeladen, diese für die Hands-On-Sessions mitzubringen, um an diesen konkreten Beispielen die DARIAH-DE-Tools zu erarbeiten. Für TeilnehmerInnen, die keine geeigneten Daten mitbringen können, werden Beispiele zur Verfügung gestellt. Bitte bringen Sie in jedem Fall Ihren eigenen Laptop mit!
Der Workshop ist Teil zweier konzeptionell eigenständiger Einreichungen zu den Angeboten der digitalen Forschungsinfrastrukturen TextGrid und DARIAH-DE. Der erste Workshop hat den Titel "Annotieren und Publizieren mit DARIAH-DE und TextGrid“. Der Besuch beider Workshops ermöglicht eine grundlegende und umfassende Einführung in und Anwendung von Architektur, Tools, Diensten und Workflows zum Annotieren, Sammeln, Modellieren, Recherchieren und Publizieren geisteswissenschaftlicher Forschungsdaten.

Inhalte und Ablauf des Workshops
I - Impulsreferate “Sammeln”

Lizensierung, Referenzierung und Nachnutzbarkeit von Forschungsdaten (
Lisa Klaffki)

Transnationale Biographien als Beispiel einer historischen Motivation für die forschungsorientierte Föderation von DARIAH-DE (
Anna Aschauer)

II - Impulsreferat “Modellieren”

Forschungsorienterte Modellierung und Korrelation von Daten in der Föderationsarchitektur von DARIAH-DE (
Stefan Schmunk, Tobias Gradl)

III - Impulsreferat “Durchsuchen”

Integriertes Suche über heterogene Datenbestände – Anforderungen und Lösungsansätze im Bereich des kulturellen Erbes (
Timo Steyer, Swantje Dogunke)

IV - Hands-on Session “Sammeln, Modellieren & Durchsuchen”

Anwendung der Föderationsarchitektur und generischen Suche von DARIAH-DE (
Tobias Gradl)

Modellierung von Daten und Vorbereitung einer Nachnutzung
Assoziation heterogener wissenschaftlicher Sammlungen
Verfeinerung der benutzerdefinierten Suchmöglichkeiten in der generischen Suche (Suchbild, Ranking etc.)
Anpassung der generischen Suche und Bereitstellung benutzerdefinierter Suchen

Komponenten des Workshops
Abbildung 1 zeigt die Zusammenhänge zwischen den für die DARIAH-DE Infrastruktur zugänglichen Kollektionen, den Registries und der generischen Suche. In der Übersicht dargestellte Komponenten und Verbindungen werden im Rahmen des Workshops live durch die TeilnehmerInnen beeinflusst, weshalb wir in diesem Abschnitt eine vorbereitende Einführung anbieten möchten. Für weitere Informationen erlauben wir uns einen Verweis auf die weiterführenden Publikationen am Ende des Dokuments.

Abbildung 1: DARIAH-DE Föderationsarchitektur

“Sammeln”: Collection Registry
Die Collection Registry (vgl. Abbildung 2) ist ein zentrales Verzeichnis zur Registrierung und Beschreibung von Sammlungen von Ressourcen. Sammlungen können selbst direkt Ressourcen oder weitere untergeordnete Teilsammlungen beinhalten und können sowohl physische als auch digitale Objekte oder nur Daten aggregieren. Die Sammlungsbeschreibungen decken neben Verschlagwortung, zeitlichen und geografischen Dimensionen auch Sammlungsformate und Informationen zur Datenpflege ab.

Abbildung 2: Bildschirmausschnitt „Sammlungen“ der DARIAH-DE Collection Registry

“Modellieren”: Schema Registry / Mapping Registry
In der Schema und Mapping Registry werden Datenmodelle und Korrelationen zwischen diesen beschrieben. Die grundlegende Zielsetzung besteht in der Definition und nachnutzbaren Modellierung der Erstellungs- und Verwendungskontexte von Daten:

Erstellungskontext: Ausgehend beispielsweise von einem XML-Schema wird ein Datenmodell angelegt, verfeinert und um Hintergrundwissen z. B. zur Sammlung, Institution erweitert (vgl. Abbildung 3). Hierdurch wird insbesondere eine Nachnutzung von Daten außerhalb des originären Sammlungskontexts ermöglicht.

Verwendungskontext: Durch die Definition eines fallspezifischen Integrationsmodells können Datenmodelle miteinander assoziiert werden. Durch eine Formulierung von Transformationsregeln werden Daten so umgewandelt und integriert, wie sie für eine weiterführende Untersuchung benötigt werden (vgl. Abbildung 4).

Abbildung 3: Bildschirmausschnitt des Schema Editors

Abbildung 4: Bildschirmausschnitt des Mapping Editors

“Durchsuchen”: Generische Suche
Mit der generischen Suche wird im Rahmen von DARIAH-DE ein konkreter Anwendungsfall der Datenföderation umgesetzt. Hierbei werden Daten aus den in der Collection Registry verzeichneten Kollektionen nach den in der Schema Registry definierten Datenmodellen verarbeitet und indexiert. Die Heterogenität der Ressourcen wird zum Zeitpunkt konkreter Suchanfragen, basierend auf der zu durchsuchenden Menge von Kollektionen, mit Hilfe der Mapping Registry aufgelöst.
Über die Möglichkeit der einfachen Suche über die Daten verzeichneter Kollektionen hinaus, können auf Basis der Funktionalität der generischen Suche weiterführende, fachspezifische Suchmaschinen implementiert werden (s. Abbildung 5).

Abbildung 5: Fachwissenschaftliche Spezialsuche im Rahmen der generischen Suche

“Durchsuchen”: Historischer Use-Case Biographien
Der Use-case
Biographien verbildlicht wie man eine historische Fragestellung anhand digitaler Werkzeuge bearbeiten kann.

Prosopographische historische Forschung orientiert sich immer noch stark an nationaler Geschichtsschreibung: religiöse, berufliche, gesellschaftliche Gruppen werden oft innerhalb der nationalen Grenzen, die selbst ein Konstrukt der Moderne sind, untersucht. Das Zusammenführen der Daten aus unterschiedlichen biographischen Datenbanken kann helfen dieses Problem zu lösen und biographische Recherchen über die nationalen Grenzen hinweg zu gestalten.
Zu diesem Zweck implementiert DARIAH-DE derzeit das CosmoTool (vgl. Gradl & Henrich 2016b), welches auf die Unterstützung historischer Forschung an biographischen Daten abzielt. Das Werkzeug kann dabei als logische Konsequenz einer Spezialisierung der generischen Suche interpretiert werden:

die Sammlung von Datenquellen erfolgt in der DARIAH-DE Collection Registry,
die Modellierung der Daten, sowie deren Assoziation mit einem zentralen, biographischen Schema erfolgt in der DARIAH-DE Schema / Mapping Registry
die Verarbeitung und Indexierung der Daten basiert auf funktionalen Komponenten der generischen Suche
Die Analyse und Visualisierung wurde und wird dagegen spezifisch für den Anwendungsfall entwickelt und bildet den tatsächlichen Kern des CosmoTools

Abbildung 6: Bildschirmausschnitt des CosmoTools

Zusammenfassung
Insgesamt werden den TeilnehmerInnen im Rahmen dieses Workshops verschiedene Kenntnisse im Kontext der Sammlung, Modellierung und Suche geisteswissenschaftlicher Forschungsdaten vermittelt. Durch die Anwendung der entsprechenden Komponenten von DARIAH-DE werden die in vorausgegangenen Referaten vorgestellten Ideen vertieft.
Die Begleitung des Workshops durch Forschungsfragen und Daten im Kontext biographischer Daten soll den TeilnehmerInnen die praktische Anwendung der Komponenten deutlich machen. Idealerweise wird dadurch die Übertragbarkeit auf andere Daten und Fragen vermittelt, wodurch eine nachhaltige Zugänglichkeit wissenschaftlicher Forschungsdaten erreicht werden kann.

Kontaktdaten aller Beitragenden

Anna Aschauer, Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG), Querschnittsbereich, Alte Universitätstraße 19, 55116 Mainz

aschauer@ieg-mainz.de
Forschungsinteressen: Pietismusforschung, Geschichte Russlands, Migration der religiösen Minderheiten in der Frühen Neuzeit, Digital Humanities.

Swantje Dogunke, Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel / Klassik Stiftung Weimar, Direktion Verwaltung, Abteilung Informationstechnik, Burgplatz 4, 99423 Weimar

swantje.dogunke@klassik-stiftung.de
Forschungsinteressen: Dokumentation im Museum, Museumsmanagement, digital curation, digitale Langzeitarchivierung, Digial Humanities

Tobias Gradl, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Lehrstuhl für Medieninformatik, An der Weberei 5, 96052 Bamberg

tobias.gradl@uni-bamberg.de
Forschungsinteressen: Forschungsdaten und Forschungsdatenmanagement, Digital Humanities, Datenintegration, Information Retrieval

Lisa Klaffki, Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Abteilung 1, Lessingplatz 1, 38304 Wolfenbüttel

klaffki@hab.de
Forschungsinteressen: Archäologie der germanischen Provinzen, Bestattungssitten der römischen Kaiserzeit, Digital Humanities

Stefan Schmunk, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Abt. Forschung und Entwicklung, Papendiek 14, 37073 Göttingen,

schmunk@sub.uni-goettingen.de
Forschungsinteressen: Forschungsdaten und Forschungsdatenmanagement, Digitale Geschichtswissenschaft, Virtuelle Forschungsumgebungen, Digitale Forschungsinfrastrukturen

Timo Steyer, Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel / Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Abteilung 1, Lessingplatz 1, 38304 Wolfenbüttel

steyer@hab.de
Forschungsinteressen: Digitale Editionen, Datenmodellierung und Metadaten, Digital Humanities

Zahl der möglichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer
Die Zahl der möglichen Teilnehmer ist aus unserer Sicht nicht eingeschränkt. Einer sehr großen Zahl müsste ggf. durch mehrere Helfer in der Hands-On-Session entgegnet werden

Angaben zu einer etwa benötigten technischen Ausstattung
Es wird keine zusätzliche Ausstattung neben der üblichen Präsentationstechnik benötigt. Von den TeilnehmerInnen wird das Mitbringen eines eigenen Laptops für die aktive Teilnahme an der Hands-On-Session erwartet.

Repository, Collection Registry, Schema / Mapping Registry und Generische Suche von DARIAH-DE (vgl. Gradl & Henrich 2016a, Schmunk & Funk 2016)

Bibliographie

Gradl, Tobias / Henrich, Andreas (2016a):
„Die DARIAH-DE Föderationsarchitektur - Datenintegration im Spannungsfeld forschungsspezifischer und domänenübergreifender Anforderungen“,
in:
Bibliothek - Forschung und Praxis 2016 40 (2): 222–228 10.1515/bfp-2016-0027.

Gradl, Tobias / Henrich, Andreas (2016b):
„Nutzung und Kombination von Daten aus strukturierten und unstrukturierten Quellen zur Identifikation transnationaler Lebensläufe“,
in:
DHd 2016: Modellierung - Vernetzung - Visualisierung 129–132.

Gradl, Tobias / Lordick, Harald / Henrich, Andreas (2016):
„Judaica recherchieren: Unterstützung bei der Realisierung forschungsspezifischer Suchlösungen durch die generische Suche“,
in:
DHd 2016: Modellierung - Vernetzung - Visualisierung 132–136.

Schmunk, Stefan / Funk Stefan (2016):
„Das DARIAH-DE- und das TextGrid-Repositorium: Geistes- und kulturwissenschaftliche Forschungsdaten persistent und referenzierbar langzeitspeichern“,
in:
Bibliothek - Forschung und Praxis 2016 40 (2): 213–221 10.1515/bfp-2016-0020.

Szöllösi-Janze, Margit / Panter, Sarah / Paulmann, Johannes (2015):
„Mobility and Biography. Methodological Challenges and Perspectives“,
in:
Jahrbuch für Europäische Geschichte / European History Yearbook 16: 1–14 10.1515/9783110415162-001.

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Conference Info

In review

DHd - 2017
"Digitale Nachhaltigkeit"

Hosted at University of Bern

Bern, Switzerland

Feb. 13, 2017 - Feb. 18, 2017

92 works by 248 authors indexed

Conference website: http://www.dhd2017.ch/

Contributors: Patrick Helling, Harald Lordick, R. Borges, & Scott Weingart.

Series: DHd (4)

Organizers: DHd