Digitales Arbeiten in den Geisteswissenschaften stärken – wissenschaftliche Begleitforschung in DARIAH-DE

poster / demo / art installation
Authorship
  1. 1. Timo Gnadt

    Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen

  2. 2. Juliane Stiller

    Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte

  3. 3. Klaus Thoden

    Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte

Work text
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DARIAH bietet eine soziale und technische Forschungsinfrastruktur für digital arbeitende Geistes- und KulturwissenschaftlerInnen. Der deutsche Partner DARIAH-DE befasst sich neben konzeptionellen technischen und fachlichen Entwicklungen unter anderem mit wissenschaftlicher Begleitforschung. Dies bedeutet im konkreten Fall der 2016 endenden zweiten Förderphase von DARIAH-DE die Erforschung von Nutzerverhalten und -erwartungen, Aspekten der Usability sowie Impactfaktoren und Erfolgskriterien bei digitalen Werkzeugen und Forschungsinfrastrukturen in den Geisteswissenschaften.
Als Voraussetzung für die strukturierte Erforschung des Nutzerverhaltens wurde in
DARIAH-DE ein Modell des geistes- und kulturwissenschaftlichen Forschungsprozess
erstellt, dessen Phasen bestimmte Arbeitsschritte umfassen. Die wissenschaftliche
Begleitforschung konzentrierte sich im Folgenden darauf, die zur Abdeckung dieser
Arbeitsschritte erforderlichen digitalen Tools bzw. die in dieser Hinsicht noch
bestehenden Lücken zu identifizieren. Dies wurde u. a. durch eine breit angelegte
Umfrage unter FachwissenschaftlerInnen realisiert. Die Auswertungen und Ergebnisse
dieser Umfrage dienen dazu, die Erwartungen der AnwenderInnen an die
Forschungsinfrastruktur aufzufangen und noch besser umzusetzen. So galt es zu
verstehen, warum bestimmte digitale Tools häufig eingesetzt werden und andere
weitestgehend ungenutzt bleiben. Darüber hinaus sollten Lücken in der Abdeckung
des geisteswissenschaftlichen Forschungsprozesses durch digitale Dienstleistungen
und Tools aufgedeckt und Erwartungen der NutzerInnen an digitale Tools
strukturierter erfasst werden. Das übergeordnete Ziel dieser Arbeiten ist eine
bessere Integration von Software in den geisteswissenschaftlichen Forschungsprozess.
Unerlässlich für die Akzeptanz von Tools ist deren Bedienbarkeit und Nützlichkeit
beim Ausführen bestimmter wissenschaftlicher Tätigkeiten. Hierzu zählt unter anderem
auch der durch eine gewisse visuelle und funktionale Vereinheitlichung erreichbare
Wiedererkennungswert, welcher sowohl einen Grad von Vertrautheit wie auch eine
verbesserte Erlernbarkeit neuer Tools und Funktionen schafft. Um einen
Mindeststandard für die Anforderungen an geisteswissenschaftliche Tools in der
DARIAH-Infrastruktur zu setzen, wurde ein Style Guide zur Steigerung der Usability
der angebotenen Dienste und der Umsetzung gewisser Qualitätsstandards erarbeitet
(cf. Romanello et al. 2015). Dieser Styleguide umfasst verschiedene Aspekte,
die von lizenzrechtlichen Bedingungen, über ausreichende Dokumentation des Tools bis
hin zu erforderlichen Funktionen (z. B. Export) reichen. Das Ziel dieses Teils der
wissenschaftlichen Begleitforschung in DARIAH-DE ist es, Tools, die oft unabhängig
voneinander entwickelt wurden, in eine gemeinsame Forschungsinfrastruktur überführen
zu können und diese Überführung auch den NutzerInnen sichtbar zu machen. Zu diesem
Zweck war es auch erforderlich, die Vorteile einer solchen Integration gegenüber den
erforderlichen Aufwänden herauszuarbeiten und sowohl den NutzerInnen wie auch den
Diensteanbietern anschaulich zu machen.
Ein zentrales Ergebnis der wissenschaftlichen Begleitforschung bildet der erarbeitete
Katalog von Erfolgskriterien, der viele Aspekte der Nutzeranforderungen an Tools und
auch deren Qualitätsmerkmale wieder aufgreift. Der Katalog basiert sowohl auf von
DARIAH-DE durchgeführten Umfragen unter verschiedenen Stakeholdergruppen als auch
auf vorangegangen Analysen und Modellen, wie z. B. dem 2014 abgeschlossenen
DFG-Projekt zu Erfolgskriterien virtueller Forschungsumgebungen (Buddenbohm et al.
2014). Konkret wurden hierbei die zusammengetragenen möglichen Kriterien wie von
Buddenbohm et al. (2014) vorgeschlagen zur Erstellung eines disziplinspezifischen
Katalogs verwendet, indem die für die jeweiligen Stakeholdergruppen in den
Geisteswissenschaften relevanten Eigenschaften abgefragt bzw. bewertet wurden.
Hierbei wurden folgende Stakeholdergruppen unterschieden:

DH-Anwender/Nutzer, vorwiegend “digital affine”, d. h. mit digitalen Tools
bzw. Methoden vertraute GeisteswissenschaftlerInnen
Dienste-Entwickler, insbesondere Software-EntwicklerInnen und InformatikerInnen innerhalb von Infrastrukturen
Diensteanbieter, also Infrastrukturdienstleister wie Rechenzentren, Bibliotheken etc.
Fördererinstitutionen

Die über Umfragen erhaltenen Ergebnisse wurden nach diesen Gruppen aufgeschlüsselt und analysiert, um verschiedene Schwerpunkte und Ausprägungen von Kriterien herauszuarbeiten. Somit wird einerseits den jeweiligen Stakeholdern ein Überblick über die innerhalb der eigenen Gruppe bestehenden Anforderungen gegeben, andererseits aber auch deren Perspektive für die anderen Gruppen geöffnet. Hierdurch soll ein nachhaltiger Austausch angestoßen werden, um letztendlich eine höhere Effektivität von Entwicklungs-, Angebots- und Förderungsprozessen zu bewirken.
Der geplante Posterbeitrag stellt die Ergebnisse in den genannten drei Bereichen Nutzeranforderungen, Usability und Erfolgskriterien dar und zeigt hierbei mögliche Konsequenzen sowohl für Dienste-Entwickler und Anbieter, als auch für Fördererinstitutionen auf.

Bibliographie

Buddenbohm, Stefan / Enke, Harry / Hofmann, Matthias / Klar,
Jochen / Neuroth, Heike / Schwiegelshohn, Uwe (2014): Erfolgskriterien für den Aufbau und nachhaltigen Betrieb
Virtueller Forschungsumgebungen. DARIAH-DE Working Papers Nr. 7.
Göttingen: DARIAH-DE.

Romanello, Matteo / Stiller, Juliane / Thoden, Klaus
(2015): Usability Criteria for External Requests of
Collaboration (R 1.2.2/R 7.5). DARIAH-DE Aufbau von
Forschungsinfrastrukturen für die eHumanities. DARIAH-DE https://wiki.de.dariah.eu/download/attachments/14651583/R1.2.2_Usability_Criteria_for_External_Requests _of_Collaboration.pdf
[letzter Zugriff 15. Oktober 2015].

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Conference Info

In review

DHd - 2016
"Modellierung - Vernetzung – Visualisierung: Die Digital Humanities als fächerübergreifendes Forschungsparadigma"

Hosted at Universität Leipzig

Leipzig, Germany

March 7, 2016 - March 11, 2016

160 works by 434 authors indexed

Conference website: http://dhd2016.de/

Contributors: Patrick Helling, Harald Lordick, R. Borges, & Scott Weingart.

Series: DHd (3)

Organizers: DHd